Wir sind dann auch mal weg – nämlich im Kino

Lange, lange wurde das „Filmereignis“ zum Jahresende angekündigt. Am 24.12.2015 erfolgte dann der Kinostart des Films „Ich bin dann mal weg“ nach dem gleichnamigen Buch von Hape Kerkeling.

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich das Buch nicht gelesen hatte. Dies lag daran, dass für mich der Jakobsweg nie wirklich von Interesse war, bis mich der Ruf des Camino selbst ereilt hatte. Als dann die Vorbereitungen zu unserer Tour liefen, habe ich nicht viel Literatur zum Thema gelesen. Mir war es wichtig, ohne große Erwartungen den Weg auf mich bzw. uns zukommen zu lassen.

Auch die Entscheidung, den Film anzusehen, fiel relativ kurz vor dem Kinostart.

Kurze Weihnachtsunterbrechung

Für uns war es wieder einmal eine willkommene Gelegenheit, für ein paar Stunden aus der heimischen „Weihnachtsromantik“ auszubrechen und uns etwas Kinounterhaltung zu gönnen. Genau dies, denke ich war auch die richtige Einstellung! Ins Kino zu gehen, um etwas Unterhaltung in Form einer Komödie zu verkonsumieren.

Nicht nur wir waren am ersten Weihnachtsfeiertag auf die Idee gekommen, uns diesen Film anzusehen. Der Raum war gefüllt bis auf den letzten Platz. Der Jakobsweg (oder Kerkeling) scheint also durchaus im Trend zu liegen.

Im Kinosaal war Publikum jeder Altersklasse vertreten. Der Hauptanteil jedoch, schien mir die weibliche Fraktion und Ü40 zu sein.

Ein Hoch auf David Striesow

Obwohl ich Hape Kerkeling´s Fähigkeiten als Schauspieler sehr schätze, kann ich es durchaus nachvollziehen, dass er sich in diesem Film nicht selbst spielen wollte. Mit David Striesow als Darsteller von Hape Kerkeling wurde diese Rolle aber, wie ich finde, bestmöglichst besetzt. Sowohl mit seiner Stimme, wie auch der ganzen Mimik und dem Aussehen, kommt er Kerkeling im Grunde genommen sehr nahe. Es ist für einen Schauspieler sicherlich eine ganz besondere Aufgabe, einen anderen bekannten Kollegen darzustellen.

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Foto: Warner Bros

Aber worum geht es eigentlich in diesem Film?

Hape erleidet einen körperlichen Zusammenbruch und wird von seinem Arzt dazu verdonnert, einmal „nichts zu tun“, woraufhin er sich dazu entschließt, den spanischen Jakobsweg zu gehen. Er stellte sich hierbei die Frage, ob Gott existiert und ob er ihm auf seinem Weg begegnen kann.

Er trifft auf seinem Weg vielleicht nicht unbedingt Gott, aber sich selbst, und dies teilweise sehr intensiv. Ihm macht die Anstrengung so zu schaffen, dass er mehrmals dran denkt, alles hinzuschmeißen und aufzugeben. Er trifft auf dem Weg auch Menschen, die sehr schnell einen besonderen Stellenwert in seinem Leben erreichen. Diese Begegnungen sind oft sehr amüsant in Szene gesetzt (lassen wir dabei mal dahingestellt, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat), lassen aber auch den persönlichen Tiefgang nicht vermissen. Letztendlich erreicht er mit seinen beiden Weggefährtinnen auch sein Ziel Santiago de Compostela.

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10 verschiedene Menschen – 10 unterschiedliche Meinungen

Die Meinungen zum Film gehen in den öffentlichen Diskussionen doch sehr auseinander. Kritiken reichen von Örtlichkeiten, welche nicht in richtiger Reihenfolge gezeigt werden, über die Tatsache, dass nur ein Teil des Film auf dem Jakobsweg und der Rest in Filmstudios abgedreht wurde, bis hin zum Vorwurf, ein „richtiger“ Pilger würde nicht Bus oder Taxi fahren, bzw. in Hotels übernachten.

Ich kann diesen Anspruch an eine Komödie nicht ganz nachvollziehen.

Wenn man sich die Darstellung des „Weges“ in der richtigen Abfolge wünscht, ist man sicherlich in einem Dokumentarfilm besser aufgehoben. Ebenso wenn man sich auf den eigenen Weg vorbereiten möchte.

Ich persönlich finde diesen Film als Komödie mit einem gewissen Tiefgang sehr gelungen. Die „kleinen“ Gedanken und Erkenntnisse, die Hape Kerkeling für sich aus seinen Erlebnissen zieht, kann ich ebenfalls sehr gut nachvollziehen. Dass jemand auf den Jakobsweg geht und sich das ganze Leben plötzlich zum Guten hin wendet, ist sicher auch in vielen Köpfen, warum auch immer, fest verankert, trifft aber in den wenigsten Fällen zu.

Auch die Frage danach, ob man als Pilger einmal Teiletappen mit dem Bus überspringen darf, wird nicht nur im Zusammenhang mit diesem Film kontrovers diskutiert. Ich denke, jeder kann das so machen wie es für ihn selbst richtig und möglich ist. Der Jakobsweg ist der eigene Weg eines jeden Pilgers und kein Wettbewerb.

Mein Fazit:

Wer sich den Abend gerne mal wieder mit einer unterhaltsamen Komödie vertreiben möchte und keine sonstigen dokumentarischen Ansprüche stellt, ist in diesem Film goldrichtig.

All diejenigen, die sich auf ihren Weg vorbereiten möchten oder genau „ihren“ Weg in geografisch korrekter Reihenfolge wiederfinden möchten, sehen sich besser einen Dokumentarfilm an.

 

So urteilt die Presse:

Süddeutsche online:
„Devid Striesow spielt nun Kerkeling – und schon dieser Verwandlung zuzusehen lohnt den Besuch des Films. […] Dieser Wortwitz trägt nun auch den Film, Gottsuche kann ganz schön komisch sein […] Aber die Ernsthaftigkeit, mit der Kerkeling nach Gott sucht – ihn schließlich auch findet -, ist am Ende wirklich beeindruckend.“

stern.de:
„Das alles wäre womöglich tiefgründig und still verfilmbar gewesen. Doch die Regisseurin Julia von Heinz […] hat 90 fast quälende Minuten geschaffen. Ständig redet die Figur Kerkeling aus dem Off, verbreitet ihre «Erkenntnisse des Tages», die irgendwo zwischen Poesiealbum-Eintrag und Kalenderspruch liegen. Das mag sich im Buch philosophisch lesen, im Film wirkt es eher peinlich.“

Cinema online:
„Die Adaption ist wie der Jakobsweg selbst: Trotz einiger Mühen lohnt es sich, bis zum Ziel zu gehen“

Und hier gehts noch zum offiziellen Trailer

Hast du den Film gesehen? Wie ist deine Meinung? Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

 

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Gabi & Christian Berktold