Wehmut und Freude – Santiago erreicht (Pedrouzo nach Santiago de Compostela)

Eine Nacht in der Pension, am Morgen schönes Wetter – so war der Plan. Das mit der Pension hat auch gut funktioniert, und was das Wetter betrifft … Wir stehen auf, und es ist tatsächlich trocken, zumindest einmal so lange, bis wir mit dem Kaffeetrinken und Gepäck aufladen fertig sind. Prima! Losfahren und … Regen!!! Aber zum Glück immer nur schubweise, aber dafür häufiger.

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20 km liegen also vor uns, auf dem Highway to Santiago, und wir fragen uns, ob wir uns absichtlich nicht noch ein wenig verfahren könnten, damit wir das Ende unserer Reise noch etwas hinauszögern können, aber das würde heißen: Noch ein paar Duschen mehr von oben! Also dann lieber die Alternative wählen und hier und da noch einen Kaffee, eine Cola oder was der Geier zu sich nehmen … Hauptsache, die 20 km werden nicht so schnell weniger.

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Ist schon ein komisches Gefühl, nach so vielen Wochen und noch mehr Kilometern so kurz vor dem Ziel zu stehen. Die Zeit ist irgendwie so rasend schnell vergangen, und wir ertappen uns dabei, bei unseren Pausen z.B. zu sagen: „Weißt du noch, als wir in der Aubrac waren…“, gerade so, als wenn dies schon eine Ewigkeit zurückliegen würde.

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Aber irgendwie hilft alles Herauszögern nichts, wir kommen Santiago immer näher und näher. Auf einmal … huch … das war der letzte Anstieg??? Nie wieder auf dieser Reise einen Berg hinaufstrampeln??? Kaum zu glauben, aber wahr.

Wir stehen auf dem Monte do Gozo (das heißt: Der Berg der Freude) vor einem riesigen Monument, dessen Anblick wohl jeden Pilger in seinen Bann zieht.

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Jetzt gibt es wohl kein Zurück mehr … die Kathedrale in Santiago ist noch 5,5 km entfernt, aber es geht – leider – nur noch bergab, und so erreichen wir unser Reiseziel doch tatsächlich am frühen Nachmittag und viel zu schnell.

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Auf dem Praza do Obradoiro vor der Kathedrale tummeln sich viele jener Pilger, die wir immer wieder auf den Jakobsweg-Restetappen getroffen haben, wobei die jungen Leute wahre Freudentänze aufführen, und die Älteren eher andächtig und berührt die Situation erleben.

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Was uns beide betrifft … Wir umarmen uns sehr innig, sehr lange, ich schlucke heimlich ein paar Tränen hinunter, und wir sind von einer Mischung aus Freude, Traurigkeit und Wehmut erfüllt.

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3000 km – wunderbare Momente – traumhafte Landschaften – nette Begegnungen – aber auch Zeiten völliger Erschöpfung (zumindest am Anfang der Reise) … kurz gesagt … die Reise unseres Lebens, wie Christian es heute schon so schön ausgedrückt hat, aber vielleicht … vielleicht war es ja auch nur EINE Reise unseres Lebens, wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Auch wenn unsere Tour mit dem Bike nun beendet ist, so werden wir dennoch mit dem Bus nach Finesterre fahren, um dort DAS zu erledigen, was wir uns vorgenommen haben. Ihr dürft uns hier im Blog gerne auch noch auf dieser Fahrt begleiten, aber was für uns am Ende der Welt wichtig ist, bleibt unser eigenes, kleines Geheimnis …

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Gabi & Christian Berktold