Am Ende der Welt (Santiago de Compostela nach Finisterre)

Heute geht es nun also ans Ende der Welt, und wir freuen uns sehr darüber, dass das Wetter anscheinend für uns noch einmal wunderschön geworden ist. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir im Bus an der Küste entlang, bis wir 2,5 Std. später Finisterre erreichen.

Während die anderen Pilger, die mit uns im Bus saßen, gleich losziehen, setzen wir uns erst einmal in eine Bar und nehmen ein kleines Frühstück und Kaffee zu uns, denn 1. haben wir im Appartement nichts Essbares mehr gebunkert (das lohnt sich nicht mehr), und 2. haben wir es nicht eilig. Schließlich fährt der letzte Bus erst um 19.00 Uhr zurück, und jetzt ist es erst 11.30 Uhr. Noch immer ertappen wir uns dabei, wenn wir in einer Bar sitzen, dass wir einen Blick über die Schulter werfen, um unsere Räder im Auge zu behalten … schon interessant, wie sehr uns auch dies in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Nachdem unser Kaffeedefizit ausgeglichen ist, machen wir uns auf die Socken durch das Städtchen, ehe wir den Weg ans Ende der Welt antreten.

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Vorbei an einem kleinen Strand gehen wir dann entlang der Straße in Richtung Leuchtturm, der 2,5 km entfernt liegt.

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Wir begegnen einem standhaften und vielen menschlichen Pilger(n), von denen wir einige aus früheren Etappen kennen.

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Schließlich erreichen wir die Klippen mit dem wundervollen Blick auf den endlosen Atlantik, der unser Herz schon vom ersten Moment an erobert hat. Was für ein Traum … Wir lassen uns nieder und genießen schweigend das wirkliche Ende unserer Reise, die mit diesem Augenblick ihren tatsächlichen Abschluss findet.

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Ist es ein Wunder, dass ich ein paar Tränen verschlucke? Nein! Ein jeder, den ich hier sehe, ist still und in sich gekehrt, und die Ergriffenheit derer, die einen langen Weg gegangen sind, liegt fühlbar in der Luft.

Auch wenn sich mehr oder weniger ein jeder vor dem Muschel-Pylon mit der Aufschrift 0,00 km noch lachend ablichten lässt, kehrt Stille spätestens in dem Moment ein, wenn man sich auf den Klippen niederlässt, und dieser Augenblick ist einfach nur wunderschön …

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Nachdem wir uns sozusagen vom Atlantik und unserer Reise in großer Dankbarkeit verabschiedet haben, kehren wir zurück nach Finisterre und beschließen unsere Literadtour mit einem letzten, sehr leckeren Essen in einem spanischen Restaurant bei strahlendem Sonnenschein.

Um 19.00 Uhr sitzen wir dann wieder im Bus, der uns, nach einigen Stopps (privater Paketdienst des Busfahrers, Fahrerplausch mit der Polizei und Buswechsel), sowie nach einer rasanten Fahrt (80 km/h durch die Ortschaften und 110 km/h auf der kurvigen Landstraße) wieder zurück nach Santiago bringt. Dann noch 20 min Fußmarsch bis zum Appartement, Rucksäcke abreisebereit packen, und wir fallen gegen 0.00 Uhr ins Bett, denn um 6.00 Uhr wird morgen früh der Wecker klingeln … unsere letzte Nacht in Santiago ist angebrochen.

 

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Gabi & Christian Berktold