Wie teuer ist es eigentlich, auf dem Jakobsweg zu pilgern?

Wir haben uns natürlich auch darüber Gedanken gemacht, uns mit Pilgern darüber unterhalten und natürlich auch eingelesen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich bis etwa Le Puy-en-Velay etwas teurer ist, als auf dem Rest unseres Weges. Dies liegt vor allem daran, dass es bis dort relativ wenige günstige Pilgerunterkünfte gibt und auch die sonstigen Lebenshaltungskosten, vor allem in der Schweiz, deutlich höher sind. Es ist schwer, die Kosten genauer festzulegen, da die Ansprüche eines jeden einzelnen selbstverständlich sehr unterschiedlich sind. Es macht natürlich einen gewaltigen Unterschied, ob jemand viel im Zelt schläft, Pilgerunterkünfte nutzt oder in Pensionen, sowie Hotels nächtigt.

Neben den täglichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung entstehen, ganz klar, auch zusätzliche Kosten durch Rück- und ggf. die Anreise, die Ausrüstung, die u.U. zuvor angeschafft werden muss und die Sonderausgaben für Notwendigkeiten auf dem Weg, wie z.B. Medikamente, Salben, Hygieneartikel.

Im folgenden habe ich die Kosten zusammengestellt und eine Reise zu zweit zugrundegelegt.

Die wichtigsten Kostenblöcke für die Pilgerreise, egal ob man per Rad oder zu Fuß unterwegs ist, sehen wie folgt aus:

Tägliche Ausgaben im Detail

Unterkunft

Größter Kostenfaktor ist die Unterkunft. Hier hat man die Wahl zwischen Zelt, Pilgerherbergen, Pensionen oder Hotels

Zelt / Camping:
Diese Art zu reisen verursacht natürlich die geringsten Kosten. Keine Kosten entstehen beim Wildcampen (außer man wird erwischt 🙂 ).
Campingplätze schlagen für zwei Personen und Zelt mit etwa 15-20 Euro pro Nacht zu Buche. Pro Person also etwa 7-10 Euro.

Pilgerherberge:
Bei den Pilgerherbergen muss zwischen öffentlichen und privat betriebenen Herbergen unterschieden werden. Am günstigsten sind in Spanien die öffentlichen Herbergen, für welche man durchschnittlich 5-7 Euro bezahlt. Private Herbergen sind in der Regel etwas teurer und können zwischen 7 und 12 Euro kosten. Herbergen in der Schweiz sind nur vereinzelt verfügbar und auch deutlich teurer (ab ca. 30 Euro/Nacht). Frankreich liegt von den Kosten her irgendwo dazwischen.

Einzelzimmer in Pension oder Hotel
Wer im Schlafsaal keinen Platz oder keinen Schlaf findet, kann sich in den meisten Orten auch ein Einzel- bzw. Doppelzimmer nehmen. Neben Pensionen und Hotels bieten häufig auch private Pilgerherbergen diese Zimmerkonstellation an. Mit etwas Glück findet man in Spanien bereits für 15 Euro eine passable Unterkunft. Der durchschnittliche Preis liegt zwischen 15-25 Euro. In der Schweiz muss man eher mit Kosten von ab 70 Euro und in Frankreich im Durchschnitt ab 40 Euro rechnen.

Für die sonstigen Kosten wie Hygieneartikel etc. sollten ca. 2-3 Euro täglich eingeplant werden.

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Verpflegung

Wasser:
Wasser gibt es in Spanien kostenlos an jedem Dorfbrunnen. Man sollte aber darauf achten, dass “eau potable“ (Trinkwasser) am Brunnen steht. Möchte man kein Risiko eingehen, empfihlt es sich von gekauften Wasserflaschen Gebrauch zu machen. Hierfür rechnet man, je nach Temperaturen, mit etwa 2-3 Euro pro Tag. Für Wasserflaschen unterscheiden sich die Preise in den anderen Ländern nicht grundlegend.

Frühstück:
Viele private Herbergen bieten auch Frühstück an. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man dies auch in jeder Bar auf dem Weg zu sich nehmen. Zwei Scheiben Toast mit Konfitüre und Kaffee schlagen dabei mit etwa 3 Euro zu Buche. In Frankreich und in der Schweiz sollten hierfür auch wieder entsprechend höhere Preise einkalkuliert werden.

Proviant für die Tour:
In Spanien isst man in der Regel erst spät abends. Unterwegs ernährt man sich daher von kleinen Snacks, denn die sportliche Betätigung macht definitiv hungrig. Hierfür ist man täglich schnell mal bei 8 Euro pro Tag.

Abendessen:
In vielen Restaurants, Bars und privaten Herbergen gibt es ein speziell für Pilger konzipiertes Menü (Menu del Peregrino). Dies besteht aus drei Gängen und kostet zwischen 9-12 Euro (inkl. Brot, Wein oder Wasser)
1. Gang (Primero / Vorspeise): z.B. Spaghetti, gemischter Salat (Ensalada Mixta), Hülsenfrüchte (Bohnen / Linsengericht), Suppe
2. Gang (Segundo / Hauptspeise): z.B. Hähnchen, Rind, Schweinefleisch oder seltener auch Fisch. Zum Hauptgericht gibt es meist Pommes.
3. Gang (Postre / Nachtisch): Eis, Joghurt oder auch Kuchen

In Herbergen gibt es häufig auch Küchen, in denen man sich die Speisen selbst zubereiten kann. Für das selbst kochen kann man mit etwa 5 Euro pro Person und Tag rechen.

Kleiderwäsche:

In den Herbergen hat man die Möglichkeit, seine Wäsche von Hand zu waschen und zum Trocknen aufzuhängen. Das ist kostenlos. Sofern Waschmaschine und Trockner vorhanden sind kostet dies 3-4 Euro. Waschen wird alle 2-3 Tage notwendig werden. Sofern man sich den Waschgang noch mit anderen Pilgern teilt, reicht es hier, ca. 50 Ct. pro Tag einzukalkulieren.

Zusammenfassung tägliche Kosten:

Für das Pilgern auf dem Jakobsweg kann mit täglichen Kosten zwischen 25 und 30 Euro, je nach Ansprüchen, gerechnet werden. Es gibt aber auch Pilger, deren tägliches Budget nicht unter 70 Euro liegt, wie es auch Pilger gibt die mit 15-20 Euro täglich zurechtkommen.

Feste Kosten

Ab- und ggf. Anreisekosten

Idealerweise bucht man bei den infragekommenden Fluglinien vor, so hat man am ehesten die Möglichkeit den „Billigfliegerpreis“ zu bekommen. Manchmal ist dies aber nicht möglich, weil z.B. der Ankunftszeitpunkt offen ist.

Wer seinen Jakobsweg vor der Haustüre startet muss sich um die Anreisekosten schon mal keine Sorgen machen. Ansonsten kann man je Flug mit etwa 75 bis 350 Euro rechnen. Das Fahrrad schlägt im Flieger mit 35 bis 65 Euro zu Buche, muss aber aufwändig in einem Fahrradkarton verpackt werden. Eine einfache Möglichkeit ist auch, das Fahrrad von Santiago aus nach Deutschland verschicken zu lassen. Dieser Service wird von einem Fahrradgeschäft in Santiago de Compostela mit allen Drum und Dran nach Deutschland für 95 Euro angeboten. Fahrrad abgeben, alles andere gehört zum Versandservice.

Je nach Startpunkt der Pilgerreise landen Pilger meist im französischen Biarritz oder im spanischen Bilbao. Von dort aus reist man als Fußpilger mit dem Bus weiter, sofern man nicht gleich zu Fuß startet. Busfahren ist in Spanien sehr günstig.

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Ausrüstung

Ein großer Kostenpunkt entsteht vor der Pilgerreise durch die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstung, sofern diese nicht eh schon vorhanden ist. Jeder Pilger, egal ob zu Fuß oder per Rad, braucht gute Schuhe. Diese können schon einmal 200 Euro kosten. Absolut notwendig ist auch ein guter Rucksack bzw. wsserdichte Radtaschen. Kostenpunkt etwa 150 Euro. Von Vorteil ist natürlich auch Funktionskleidung und Funktionsunterwäsche, sowie eine möglichst atmungsaktive und wasserdichte Jacke. Für eine Vollausstattung ist man damit gleich mal je nach Umfang und Qualität 800 bis 1500 Euro los.

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4 Kommentare zu Wie teuer ist es eigentlich, auf dem Jakobsweg zu pilgern?

  1. Michael Mengel sagt:

    sauber recherchiert und ungeschönt beschrieben.
    Jetzt fehlt nur noch der Vermerk „Stand Frühjahr 2015“, dann ist das was für die Ewigkeit 😉

  2. Christian Berktold sagt:

    Hallo Michael, besten Dank für deinen Kommentar. Nun, nachdem ein Blog ja nichts statisches ist, denke ich, werden wir auch unsere Erfahrungen entsprechend aktuell posten, nachdem man ja frei nach Ambros sagt: …wen der Camino einmal gerufen hat….!
    Herzliche Grüße
    Christian

  3. JENS sagt:

    ICH KANN ALLERDINGS NUR DAVON ABRATEN; JETZT DEN JACOBSWEG ZU NEHMEN; DENN DIE TEMPERATUREN SIND ZU HOCH UND ER IST ÜBERFÜLLT: DAS BEDEUTET IN SPANIEN DU MUSST VOR SONNENAUFGANG LOSGEHEN UND DAS ZIEL VOR 13 UHR ERREICHEN; DA ALLES BELEGT IST; EINE RESERVIERUNG MEIST NICHT MÖGLICH IST BEI DEN PILGERHERBEERGEN; WICHTIGER ZUSÄTZLICH ZU BODENMATTE/RUCKSACK IST EINFACH EIN LAKEN – SABANA -SONST KANN MAN NACHTS NICHT SCHLAFEN, MIT DEM ESSEN ABENDS IST DANN ABER ESSIG; DA MUSS MAN SCHON VERSUCHEN ZU SCHLAFEN; TIP NICHT PILGERRESTAURANTS; SIND ZU TEUER UND OFT MANGELHAFTER SERVICE; BESSER; DIE ETAPPEN DANN WEG VON DEN PILGERTAGESTOUREN LEGEN UND IN NORMALEN OSTALS NÄCHTIGEN UND AUSSERHALB ESSEN;
    SALUDOS AUS SPANIEN – ICH WAR FÜHRER AUF JACOBSWEG IN 2010 und 2011.

  4. Christian Berktold sagt:

    Hallo Jens,
    besten Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Damit, daß zu dieser Jahreszeit sehr viele Pilger unterwegs sind, haben wir gerechnet. Wir habe aus diesem Grund auch eine Camingausstattung dabei, um ggf. auch ohne Herbergen und Pensionen zurecht zu kommen. Die Hitze ist für uns, zumal wir ziemlich untrainiert auf dem Weg sind, schwer einzuschätzen. Wir lassen es aber einfach mal auf uns zukommen. Ich denke, wir sind auch frühestens Anfang bis Mitte August in Spanien, da wir vorher noch ca. 2000 km Deutschland, Schweiz und Frankreich vor uns haben.
    Der Plan ist derzeit, sehr früh morgens zu starten und zur ganz heißen Tageszeit eine entsprechend lange Siesta einzulegen um vielleicht in den Abendstunden nochmal etwas weiterzukommen. Mal sehen, wie sich die Temperaturen entwickeln
    Herzliche Grüße
    Christian

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