Wie Leidensfähig sind wir als Pilger? (Jona-Einsiedeln)

Wir kommen heute etwas später los, als wir eigentlich geplant hatten, da Christian unser Navigationsgerät neu mit den Routen bestücken muss. Aber macht ja nichts. Es stehen erst mal nur 17,5 km an, die schaffen wir mit Links … dachten wir …

Wir starten also so gegen 10.00 Uhr, sind guter Dinge, überqueren auf dem Pilgersteg den Zürichsee, und dann geht’s aber auch schon los … steile Steigungen ohne Ende, die für uns mit unserem schweren Gepäck absolut nicht fahrbar sind, also heißt es: Schieben, Schieben und nochmals Schieben, steil bergauf, sodass wir das Gefühl haben, das Rad rollt mit jedem Schritt, den wir voran tun, wieder einen Meter zurück.

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Pilgersteg Rapperswil

Insgesamt sind es 745 Höhenmeter, die wir zu Fuß und mit viel Gekeuche und noch mehr Standpausen hinter uns bringen, es sind auch keine 17,5 km, sondern 21 km, von denen wir etwa 16 km geschoben haben. Zum Glück waren die Temperaturen nicht so heiß, wie gestern. Zwischendurch überrascht uns noch ein leichter Regen, sodass wir Packtaschen und Schlafsäcke abdecken müssen. Wir pausieren in einem kleinen Wald, allerdings ist dieser Schauer bald vorüber, und es kann schon wenige Minuten später weitergehen.

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Kurze Rast oberhalb von Pfäffikon

 

Unser Navi demoralisiert uns schon fast, als es immer wieder weitere Höhenmeter anzeigt, und tatsächlich schieben wir wirklich bis zum Ortsschild Einsiedeln … Unglaublich, wie lange sich die letzten 3 km hinziehen.

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Erschöpfung!!

Wir sind heute beide absolut an unsere körperlichen Grenzen gestossen, oder habe diese vermutlich überschritten. Die Stimmung schwankt zwischen einem gewissen Stolz auf diese Leistung und absoluter Erschöpfung.

Dann geht’s endlich bergab, und schon von weitem sehen wir das Kloster, unser Ziel für den heutigen Tag.

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Einsiedeln

Gegen 19.00 Uhr sitzen wir dann endlich auf der Treppe vor dem imposanten Gebäude und sind erst mal völlig erledigt.

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Kloster Einsiedeln

Eigentlich hatten wir darauf gehofft, dort irgendwo unser Zelt aufschlagen zu können, doch diese Hoffnung zerschlägt sich recht schnell.

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Kloster Einsiedeln

Also gucken wir uns – Dank Google – einen Campingplatz aus, der am Siehler See liegt – ca. 8 km von hier entfernt. Und was zeigt uns unser Navi an … nochmals 113 Höhenmeter – das schaffen wir heute nicht mehr!

Zum Glück spricht uns eine Frau an, die uns den Hinweis darauf gibt, dass wir den halben Siehler See einfach und eben umfahren können, um zu dem Campingplatz zu gelangen … ohne Höhenmeter! Na, das ist doch was! Die Dame war übrigens auch schon mehrfach auf dem Jakobsweg unterwegs und trägt uns auf, den Jakob zu grüßen, obgleich sie in zwei Wochen selbst wieder zu einer Etappe auf dem Camino del Norte aufbricht.

Wir mobilisieren unsere letzten Kräfte und treten noch einmal heftig in die Pedale. Schon eine gute Viertelstunde später (ja ja, beim Radeln sind wir gar nicht mehr so langsam auf ebener Strecke) ist unser Ziel erreicht. Jetzt noch schnell anmelden, Zelt aufbauen, bisserl was essen, und dann fallen wir auf die Isomatten und sind schneller im Land der Träume, als wir denken können.

Fazit des heutigen Tages:

Die Schweiz ist ein wunderschönes Land, traumhafte Umgebung, super nette und nur freundliche und hilfsbereite Menschen, die uns bislang begegnet sind, mit herrlichen Bergen – solange man sein vollbepacktes Rad dort nicht raufschieben muss 🙂

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Kurz vor Einsiedeln

Ach ja … unglaublich … mit dem heutigen Tag ging unsere erste Woche bereits zu Ende …

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Gabi & Christian Berktold