Steigerung der Kondition und Gewitterregen (Forel-Lausanne-Genf)

 

Heute wird uns nach Lausanne noch eine lange Abfahrt bevorstehen. Zuvor aber sind vom Campingplatz aus noch 238 Höhenmeter im Anstieg zu absolvieren.

Als wir den Campingplatz in Richtung Lausanne verlassen, sticht uns ein Fahrradladen ins Auge, den wir am Abend zuvor glatt übersehen hatten. Kurzentschlossen steuern wir diesen an, da wir unbedingt noch die Speichen nachziehen lassen sollten. Was heißt eigentlich „Speichen nachziehen“ auf Französisch? Solch wichtige Übersetzungen finden sich wieder mal in keinem Übersetzer! Glücklicherweise kann der Fahrradladenbesitzer etwas Englisch und sogar ein bisschen Deutsch, sodass wir uns schnell darüber verständigen können, was unser Problem ist. Nach kurzer Überlegung und in Anbetracht dessen, dass wir auf Reisen sind, ringt er sich durch, alles stehen- und liegenzulassen und sich unserer Fahrräder anzunehmen. Das Angebot, unser Gepäck vom Fahrrad zu nehmen lehnt er ab und meint, es ginge auch so. Mit einem Helfer und drei Anläufen hatte er dann auch Gabis Gefährt samt Gepäck in dieser Spannvorrichtung, um auf Augenhöhe dran arbeiten zu können (keine Ahnung wie das Ding heißt). Leider war auch diese zu schwach ausgelegt, so dass sich das beladene Heck gen Boden neigte. Aber auch dieses Problem hatte er nach kurzer Zeit im Griff. Mein Rad spannte er gar nicht mehr ein, sondern überprüfte es gleich auf dem Boden stehend.

Kurzum: alles in Ordnung, bis auf den Luftdruck meines Vorderrades.

Nach einer halben Stunde sind wir bereits wieder auf der Piste. Der Fahrradtechniker wünscht uns noch eine gute Pilgerreise. Geld für seine Leistungen möchte er nicht annehmen, na ja – Speichen hatte er ja auch nicht nachgezogen, sondern nur überprüft: „Alles in Ordnung!“

Nachdem wir nach einiger Zeit unseren heutigen Anstieg absolviert haben, gibt uns die Schweizer Landschaft einen phantastischen Blick auf den Genfer See frei. Unbeschreiblich, irgendwie wie der Blick aus dem Backrohr auf den Kühlschrank, oder so ähnlich zumindest.

Die lange und genussvolle Abfahrt wird in den Gassen Lausannes erst richtig steil, sodass selbst die Bremsen unserer Räder nahe ihrer Grenzen gelangen. In der Innenstadt gibt es eine kleine Abkühlung für die Beine – und natürlich ein eiskaltes Cola. Preisliche Steigerungen hierfür sind noch immer möglich, aber was soll´s. Irgendwie muss man bei mittlerweile wieder knapp 40 Grad runterkühlen.

Nachdem für Lausanne schwere Gewitter vorausgesagt sind und es auf der Strecke am Westufer so gut wie keinen Campingplatz gibt, entschließen wir uns, den See mit dem Schiff zu durchqueren, in der Hoffnung, dass Genf von diesen Unwettern nicht tangiert wird.

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Wir ergattern zwei Tickets für einen historischen Raddampfer aus dem Jahr 1915, welcher uns nach Genf bringen wird.

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Die erste Hälfte der Überfahrt genießen wir bei strahlendem Sonnenschein, wobei sich im hinter uns liegenden Lausanne eine pechschwarze Wand aufbaut. Leider brauen sich auch aus Richtung Süden Gewitterwolken auf, sodass wir etwa die Hälfte der Überfahrt bei schlechtem Wetter absolvieren.

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Der Raddampfer ist zwar toll restauriert, aber wohl trotzdem nicht für dieses Wetter gebaut. Es regnet auch unter Deck überall durch die Deckenbeplankung, sodass es schon fast schwierig wird, einen trockenen Platz zu finden.

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In Genf angekommen, hat das Wetter natürlich immer noch kein Nachsehen mit uns, und es schüttet weiter wie aus Kübeln. Wir retten uns erst einmal in ein beschirmtes Straßencafé und versuchen, ein Zimmer über AirBnB zu ergattern. Für einen Campingplatz ist es mittlerweile zu spät. Leider ergibt sich nichts, so dass wir uns entschließen, zehn Meter vom Café entfernt, am Stadtstrand zu campen. Bei strömenden Regen also das Zelt aufstellen und den mittlerweile teils nassen Inhalt unserer Radtaschen verstauen. Witzigerweise stand genau an diesem Strand ein Bauwagen, welcher durch einen Bauzaun gesichert wurde. Diesen Strandabschnitt haben wir doch sogleich „besetzt“, sodass wir auch gegen nächtliche Besucher einen gewissen Schutz hatten. Tatsächlich war auch in dieser Nacht einiges geboten, von heißen Reggae-Rhythmen in exorbitanter Lautstärke (aber wirklich gute Musik), bis hin zu weiblichen, gackernden nächtlichen Badestrand-Besucherinnen war ziemlich alles geboten, was einem den Schlaf rauben konnte. Aber egal! Im Zelt ist es trocken, und das ist das einzig entscheidend Wichtige!

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Gabi & Christian Berktold