Jakobsweg – Jakobsplatz – Magic Moments?

Da wir uns gerade viel mit dem Jakobsweg beschäftigen, der für uns eigentlich der Inbegriff dessen ist, was Selbstfindung, Ruhe und innere Gelassenheit bedeutet, haben wir uns gerade gefragt, ob es notwendig ist, kilometerweite Strecken zu gehen, um zu inneren Erkenntnissen und Ruhe zu gelangen, oder ob es nicht auch so etwas wie einen „Jakobsplatz“ geben kann, einen Fixpunkt, an dem man den gleichen Effekt erzielen kann. Die Bezeichnung „Jakobsplatz“ ist jetzt einfach unserer Fantasie entsprungen. Natürlich könnten wir auch „Besinnungsort“ oder „Ort der inneren Einkehr“ sagen. So etwas erinnert jedoch dann eher schon wieder irgendwie an eine Klosteranlage, in der man Besinnungstage oder –wochenenden buchen kann, um mit Hilfe von Nonnen oder Mönchen über Gebete, Meditationen und stiller Einkehr zu sich selbst zu finden. Aber gerade darum geht es nicht, und so sprechen wir vom „Jakobsplatz“ als einen bestimmten Ort in der Natur, zu dem wir uns begeben können, und der uns Kraft für unser Dasein, für unser Leben zu spenden vermag, einen Ort, der jederzeit zu erreichen ist, nicht erst nach anstrengenden Fußmärschen.

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Gut, mag der Eine sagen, aber genau diese langen Wanderungen, die der Pilger auf sich nimmt, führen ihn an seine Grenzen, lassen ihn über sich hinauswachsen und bieten wochenlang genügend Zeit, um die Gedanken zu ordnen, alles neu zu überdenken und gegebenenfalls sich für einen Neuanfang in welchem Bereich auch immer zu entschließen.

Der innere Garten

Dies alles ist richtig! Aber es geht uns hier jetzt nicht um das „Pilgern“, sondern lediglich um eine Örtlichkeit, zu der man sich begibt, um zur Ruhe zu finden, sozusagen einen ganz persönlichen Kraftplatz, der auch im alltäglichen Leben stets zu erreichen ist, wann immer man das Bedürfnis danach hat, Energie und Klarheit auftanken zu müssen.

In der Hypnose kennt man hierzu insbesondere den „Inneren Garten“, zu dem man sich führen lässt oder sich selbst führt, um in ihm zu entspannen, sich zu erholen, sich zu kräftigen, und dort auch die Möglichkeit hat, Probleme und Sorgen von einer höheren Warte aus zu sehen, aus einer Neutralität heraus, die es einem ermöglicht, besser damit umzugehen und Lösungen herbeizuführen.

Aber kann man den „Inneren Garten“ auch nach außen hin verlagern? Ist es möglich, auch ohne lange Wochen zu pilgern, zu sich selbst zu finden?

Man kann! Allerdings wird man es nicht in einem Tag und nicht an einem Wochenende schaffen, die gleiche intensive Wirkung wie auf dem meditativen Gang auf dem Jakobsweg zu erreichen, aber das, was uns ein Besuch innerhalb der Tiefenentspannung in unserem inneren Garten bringt, können wir selbstverständlich auch an unseren ganz persönlichen, äußeren Kraftorten erlangen.

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Unser Kraftplatz

Wir haben uns hierzu einen herrlichen Platz in wundervoller Natur herausgesucht, und wann immer wir im Alltag das Gefühl haben, eine Auszeit zu benötigen, weil wir uns immer mehr von uns selbst entfernen, fahren wir hierher.

Umgeben von sattem Grün der verschiedensten Büsche und Bäume, im Gleichklang der meditativen Symphonie des rauschend vorüberfließenden Flusses, der sich um kraftvolle Steine schlängelt, sanft verführerisch, dann wieder reißend aufschäumend, aber auch provokativ mit dem Hinweis: Wirf deine Probleme ab, und ich werde sie hinwegtragen, doch lösen musst du dich selbst von ihnen.

Erkenne in dem irdischen Strom den inneren Fluss deines Lebens, der seine Bahnen in Ruhe und Gelassenheit ziehen kann, ungeachtet dessen, wie viele Steine er hierbei umspülen oder überfließen muss oder durch welch unwegsames Gelände er sich auch seinen Weg bahnen mag. Nichts kann ihn in seiner Gleichmäßigkeit, seiner Kraft und Stärke beirren, es sei denn, du selbst errichtest Staudämme, die seinen Weiterfluss behindern.

Wenn wir uns an unseren „Jakobsplatz“ begeben, uns in der Einsamkeit dessen an den Fluss und somit auch uns an unseren inneren Fluss setzen, scheinen sich trübe Gedanken und Stressgefühle in pures Nichts aufzulösen. Unser Kopf klärt sich, und unser Herzschlag verlangsamt sich auf eine Frequenz, die uns zur Ruhe kommen lässt. Die Wärme der Sonne hüllt uns wie in eine sanfte Umarmung ein, die uns Kraft schenkt, das satte Grün der Büsche und Bäume scheint uns in Vitalität zu durchdringen, derweil die Melodie des rauschenden Wassers und die Gesänge der Vögel uns daran erinnern, wie sich wirkliches „Leben“ anfühlt. Und wenn wir des Abends, eingehüllt in die bezaubernde Geräuschkulisse dieser Abgeschiedenheit, in die Dunkelheit schauen, wird uns beim Anblick der tausenden Glühwürmchen bewusst, dass jeglicher Moment des Seins unglaublich mystische Momente beinhaltet und auch in tiefster Dunkelheit die Farben des Lichts uns stets einen Weg weisen.

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Warum dennoch Jakobsweg?

Warum wir uns dennoch auf den Jakobsweg begeben, obwohl wir wirkliche Magic Moments hier an diesem beschriebenen Ort finden?

Weil wir der unberührbaren Natur auf dem Camino del Norte begegnen möchten.

Weil wir die Kraftorte dieses Weges kennenlernen möchten.

Weil wir das Gefühl haben, dass wir uns, trotz unseres „Jakobsplatzes“, „auf den Weg“ zu begeben haben, um mit gewissen Dingen, die unser Leben betrifft, abschließen zu können und über einen längeren Zeitraum den Alltag hinter uns zu lassen, um nur „wir selbst“ zu sein …

Ob uns dies auf unserem „Jakobsplatz“ über ein paar Wochen nicht auch gelingen würde? … Wir haben es noch nicht ausprobiert. Möglich wäre es, aber augenblicklich ruft uns der Camino del Norte, und wir haben beschlossen, diesem Ruf zu folgen …

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Gabi & Christian Berktold