Hoch in den Lüften

Hoch in den Lüften

 Wir sitzen draußen auf der Veranda und  hören plötzlich den schrillen Ruf eines roten Milans, der hoch über uns seine Runden dreht.

Was für ein wundervolles Geschöpf. Schwerelos segelt er auf den Schwingen der Luftströmung entlang, und wie bei konzentrischen Kreisen werden seine Runden immer größer und größer.

Wie es sich wohl anfühlen mag, dort droben in Schwerelosigkeit unter dem Himmel zu kreisen und hierbei die ganze, auf den Flugradius begrenzte Welt im Blick zu haben, frei von jeglichen Zwängen, dem Ruf der Sonne folgend, wohl wissend, dass die Flugbahn und auch der Blick auf die Welt und auf das Leben stets verändert werden kann?

Was könnten wir wohl empfinden, wenn wir an seiner Stelle wären?

Würden wir uns noch Gedanken über unseren Alltag machen?

Würden wir unseren Sorgen noch Gewicht geben?

Wäre all das, was uns belastet, überhaupt noch wichtig?

Oder würden wir einfach diesen wunderbaren Flug in Leichtigkeit genießen und feststellen, dass wir zu unserer inneren Freiheit erst dann gelangen, wenn wir wirklich alles, von dem wir glauben, dass es uns beeinflusst, dass es wichtig für uns ist, loslassen und nur an uns und an den Flug – den Höhenflug unseres Lebens glauben, …ihm einfach nur vertrauen?

Wäre es möglich, so hoch da droben, sozusagen allein mit sich selbst auch nur noch das eigene ICH zu fühlen, im Wissen darum, sich nur noch auf sich selbst verlassen zu müssen?

Und könnte es sein, dass der Windhauch dort oben, der uns trägt, es auch schaffen könnte, unsere Gedanken, die uns zumeist mehr verwirren, als uns zu helfen, einfach mitzunehmen, um sie im Meer der Wolken aufzulösen?

Wieder schaue ich in den stahlblauen Himmel. Der wundervolle Vogel ist weitergezogen, aber dafür bilden sich langsam ein paar Gewitterwolken.

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Manchmal sollten wir einem Gewitterhimmel gleichen. Wir sollten bereit dazu sein, uns die Gelegenheit zu geben, aufgestaute Gedanken zu entladen, um nach einem sinnbildlich reinigenden Regen wieder frei und ohne zermürbenden Anspannungen den Blick auf unseren inneren, farbenprächtigen und wolkenlosen Himmel zu richten, der uns wirkliches „Leben“ verheißt.

Ist der Weg auf dem Camino denn etwas anderes?

Können wir in dieser Zeit nicht gleich eines Gewitters oder gleich des Flug eines Milans uns, in Einsamkeit mit uns selbst, von unseren belastenden Gedanken lösen, in dem wir uns vertrauen, uns annehmen und die Wichtigkeit unseres Seins überdenken, empfinden und erkennen?

Es ist sicherlich möglich, aber so, wie der Milan sich erst in die Lüfte erheben muss, um in eine andere Welt, in SEINE Welt einzutauchen, müssen auch wir unseren ersten Schritt dazu tun, wenn auch wir uns SELBST kennenlernen oder wiederfinden und leben möchten …

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Gabi & Christian Berktold