Die heilige Idda (Lommis – Ried)

Eigentlich wollten wir ganz früh starten, haben dann aber sowas von verschlafen, sodass es dann doch schon 8.00 Uhr war, bis wir uns auf die Strecke machten. Allerdings kamen wir nicht sonderlich weit, da uns recht bald schon ein schweizer Bäckercafé am Straßenrand einladend anlachte und wir dort erst noch einen Kaffee zum endgültigen Wachwerden einnahmen. Bei mittlerweile schon wieder beginnender Hitze ging es dann bergauf und bergab nach Fischingen, wo wir gegen Mittag am Mönchskloster Halt machten und dort auch sogleich unseren Stempel bekamen.

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Kloster Fischingen

Während sich Christian das Kloster anschaute, hatte ich endlich die Möglichkeit, mich im Schatten für eine Weile meinem Buchgeschreibsel zu widmen. Was ich mich darauf freute, endlich ein paar Gedanken loszuwerden.

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Innenhof Kloster Fischingen

 

Also begann ich mit dem Datum und … da setzte sich ein Pilgerführer zu mir und das war’s dann erst mal für die nächste halbe Stunde. Allerdings hochinteressant, was er mir so alles erzählt hat. Gab mir Tipps für gute Herbergen, erzählte mir von seiner Fußwanderung von Konstanz nach Santiago und davon, dass er mit einer Gruppe auch schon Wintertouren nach Rapperswiel gemacht hat. Dann verschwand er, und ich bekam dann auch tatsächlich ein paar Seiten zustande.

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Christian kam zurück, und fast gleichzeitig erschien auch einer der sieben älteren, noch verbliebenen Klostermönche, der uns – im Schatten – noch liebenswürdigerweise einen Sonnenschirm öffnete und sich zu uns setzte. Normalerweise hätte ich mir jetzt noch schnell das Kloster angeschaut und wir wären weitergeradelt, aber so saßen wir mit ihm noch mindestens eine dreiviertel Stunde beisammen, in der er uns alles Mögliche über das Klosterleben („Ich muss nachher noch Abwaschen…“) und über die Hl. Idda („Die ist keine Heilige, noch nicht mal selig gesprochen.“) erzählte. Da gibt es im Kloster doch die Kapelle der Idda, in derem Sarkophag („Sie liegt dort gar nicht.“) eine Öffnung ist, in der die Pilger ihre Füße hineinhalten können, damit die Idda deren Schmerzen nehmen kann („Aber Radfahrer haben ja keine Fußprobleme, sondern eher am Hintern Schmerzen. Sie können also auch den Hintern in die Öffnung halten, vielleicht hilfts ja!“). Anmerkung von mir: -Die Öffnung ist nur sehr klein, da hätte mein Hintern vermutlich keinen Platz gehabt!-

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Der Mönch war so köstlich! Erzählte davon, dass er Hape Kerkelings Buch gelesen hat („Das fängt schon so gut damit an, dass der Feuerwehrmann kotzt! Ich habe geheult vor Lachen!“), und fand es schade, dass dieses Buch leider nicht in seiner Klosterbibliothek zu finden ist („Wahrscheinlich das einzige Buch, das es bei uns nicht gibt!“). Danach erklärte er uns einen nicht ganz so anstrengenden Weg nach Rapperswiel und entließ uns mit den besten Wünschen.

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So tankten wir am Klosterbrunnen noch einmal frisches, wunderbar kühles Wasser (Irgendwie haben wir uns heute so von einer Wasserflasche zur anderen gehangelt), dann hieß es für uns Abschied vom Kloster Fischingen zu nehmen und erneut der Hitze zu trotzen.

Rapperswiel wäre unser Wunschziel gewesen, doch etwa 15 km davor, nachdem wir über 900 Höhenmeter hinter uns hatten, ging bei mir gar nichts mehr, und ich war nur noch glücklich, als wir endlich einen wunderschönen Zeltplatz am Rande von Ried gefunden hatten und das Zelt aufgebaut war. Wir hielten noch ein kurzes Vesper ab, lagen noch eine Weile auf unseren Matten unter dem freien Himmel und genossen die Ruhe, bis es uns zu kühl wurde und wir uns ins Zelt verzogen. Keine zwei Minuten später waren wir dann auch schon auf dem Weg ins Land der Träume …

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Gabi & Christian Berktold