Gabi

Gabi Berktold

* 1963

Autorin aus Leidenschaft seit 1998

 

Warum eine Pilgerreise?

Ich habe mir so manches Mal in meinem Leben schon gewünscht, eine „Auszeit“ zu nehmen, um fernab von Sorgen und Problemen mich einfach nur einmal mit mir selbst zu beschäftigen, habe dies aber, aus arbeitsintensiven Gründen, nie verwirklicht.

In den letzten Jahren jedoch waren Christian und ich einigen maßgeblichen beruflichen und privaten Problemen ausgesetzt, die unsere Kräfte nahezu grenzmäßig aufgebraucht haben, sodass Christian eines Tages für sich, völlig spontan beschloss, den Jakobsweg zu bereisen, um wieder zu sich selbst zu finden, nachdem er jahrelang nur noch „funktioniert“ hatte, und da es mir nicht viel anders ging, stimmte ich ohne lange zu überlegen zu, ihn zu begleiten.

Gabi Tarnkappe klein

Ich glaube, es ist schön, den Weg zu sich selbst gemeinsam und gleichermaßen doch für sich allein zu gehen. So etwas kann aber nur funktionieren, wenn man sich gegenseitig respektiert und auch bereit dazu ist, seinem Begleiter auf diesem Weg seinen Freiraum zuzugestehen, respektive auch ein kilometerweises Schweigen zu akzeptieren, wenn dem anderen nicht nach Reden zumute ist, ihn in Ruhe zu lassen, wenn Rückzug angesagt ist, aber dennoch da zu sein, wenn Emotionen nach Worten verlangen.

Den Weg zurück zu mir selbst gemeinsam mit dem Menschen, der mir so unglaublich viel bedeutet, zu gehen, die eigenen Energien und die geballte Kraft der Natur wieder zu spüren und in sich aufzunehmen, bzw. sich wieder hierfür zu öffnen, und wer weiß – vielleicht – endlich wieder zu verinnerlichen, dass das Leben eine ganz andere Aufgabe für uns bereithält, als in Problemen des Arbeitsalltags zu ersticken, all das und vermutlich noch viel mehr lässt mich in Freude auf die bevorstehende Pilgereise blicken, gespannt darauf, mit welchen tatsächlichen Erkenntnissen ich/wir nach ein paar Wochen wieder nach Hause zurückkehren werden.

Warum mit dem Fahrrad?

Weil wir nicht nur die letzten 200 km in Spanien nach Santiago de Compostella pilgern möchten, sondern insgesamt ganze 3000 km von Ulm/Deutschland aus. Für diese lange Strecke müssten wir jedoch zu Fuß viel viel mehr Zeit einplanen, was augenblicklich noch nicht möglich ist. Für mich persönlich bedeutet die Tour mit dem Rad ein bisschen weniger Anstrengung für mein teillädiertes Knie, welches beim Laufen langer Strecken sicherlich schlapp machen würde. Ein nicht ganz unerheblicher Vorteil mit dem Rad ist natürlich auch, dass man keinen schweren Rucksack schleppen muss und – zumindest einmal in den ebeneren Regionen – etwas schneller vorankommt. Okay, schneller vorankommen heißt nicht zwingend „auf der Flucht zu sein“, und wir haben auch nicht vor, die Strecke im Schnelldurchgang zu bewältigen, denn dann wäre Sinn und Zweck dieser Pilgerreise für die Katz.

Ich sehe in meinem Mountainbike augenblicklich sinnbildlich meinen Pilgerstab, auf den ich mich auch ab und zu stützen kann, wenn mir danach zumute ist, und auf dessen Unterstützung ich mich verlassen kann. Mein Rad ist somit ein weiterer liebenswerter Weggefährte, den ich zu schätzen weiß.

Warum mit Christian?

Wenn nicht mit Christian, mit wem dann??? Christian und mich verbindet eine tiefe Liebe, unglaubliches Vertrauen und tiefes Verständnis zueinander. Kein anderer wäre besser dazu geeignet, mich auf dem Weg nach Santiago de Compostella und auf meinem ganz persönlichen Pilgerpfad, als Seelenreise zu mir selbst, zu begleiten. Keinem anderen Menschen könnte ich offen in all meinen Emotionen und Gedanken, die vermutlich an die Oberfläche kommen werden, begegnen. Diesen wunderbaren Menschen auf diesem Weg und auch auf meinem Lebensweg an meiner Seite zu haben, ist das größte Glück, für das ich jeden Tag aufs Neue dankbar bin.

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Gabi & Christian Berktold